Physik : Suhrkamp BasisBibliothek (SBB), Nr.26, Geschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück in drei Teilen

Suhrkamp BasisBibliothek (SBB), Nr.26, Geschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück in drei Teilen

EUR 8,00


Das beste kritische Volksstück - Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, ein Theaterstück zu lesen. Horvaths Geschichten aus dem Wienerwald ist so gut, dass auch die bloße Lektüre (ohne Inszenierung) ein Genuss sein kann. Horvath erzählt die Geschichte von Marianne, einer jungen Frau aus dem Wiener Kleinbürgertum der Zwischgenkriegszeit, die an den Fleischhauer aus der Nachbarschaft verheiratet werden soll und meint, ihre Rettung aus dieser ungeliebten Beziehung sei der Vorstadtcasanova Alfred. Es ist einfach großartig, wie Horvath seine Figuren gestaltet. Wenn es ein kritisches Volksstück gibt, das annähernd so gut ist wie Geschichten aus dem Wienerwald, dann Kasimir und Karoline. Von wem? Natürlich auch von Horvath!

Unser Leben ist Arbeit - ohne sie haben wir kein Leben mehr - Das Buch Geschichten aus dem Wiener Wald (Ödön von Horváth) sollte ich als Schullektüre lesen. Es ist ein Volksstück in 3 Teilen, in dem es um Dummheit und Liebe, Liebe und Verstand, geht. Marianne, die sich an ihrem Verlobungstag in einen anderen verliebt, lässt sowohl ihren Verlobten als auch ihren Vater stehen und folgt Alfred, von dem sie denkt, dass er ihre große Liebe ist und dass sie sich in ihm entfalten könnte. Doch es kommt anders.Unüberlegtheit wird bestraft, bald sind die Gefühle verflogen, in der Beziehung kriselt es und Marianne merkt, dass sie sich in Alfred getäuscht hat. Das neugeborene Kind wird vernachlässigt, weil beide mit sich selbst beschäftigt sind, Mariannes Vater will nichts mehr von seiner Tochter wissen und erst recht nicht als Großvater bezeichnet werden...Der Titel des Volksstücks ist angelehnt an den Walzer Geschichten aus dem Wiener Wald von Johann Strauß und wird mehrfach im Stück erwähnt. Es ist sehr hilfreich, die Wiener Walzer dieses Komponisten zu hören, während man liest. So fühlt man sich in die dargestellte Zeit hineinversetzt und es kommt eine komplett andere Stimmung auf.Was mich an dem Stück beeindruckt hat, ist die Mehrdeutigkeit der Sätze des Autors. Sein ganz persönlicher Schreibstil lässt Charaktere erwachen und wieder aus der Szene treten. Allerdings störte so manche beleidigende Ausdrucksweise wie Mistvieh und Dirne, was nicht allzu tragisch gewesen wäre, hätten die Personen sich dies ins Gesicht gesagt. Doch sie belügen sich, sie sind scheinbar Freunde und lächeln sich zu, doch kaum hatte sich der andere umgedreht, wird hinter seinem Rücken gelästert.Geschichten aus dem Wiener Wald hat mir so einiges vor Augen geführt, sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des Lebens, wobei alles so realistisch dargestellt wird, dass jede Handlung glaubhaft erscheint. Meiner Meinung nach hat der Autor Respekt verdient für das, was er geleistet hat, vor allem, weil es alles andere als einfach war. Der Biografie im Anhang zufolge sind immer wieder Hindernisse aufgetaucht und haben ihn am Erfolg gehindert, ihn in Depressionen versetzt und verzweifeln lassen. Denn Schreiben war das einzige in seinem Leben, dem er sich mit vollster Seele gewidmet hat. Er hat für seine Leidenschaft gekämpft und das ist, wie ich finde, sehr bemerkenswert. Jetzt können wir seine Werke lesen und über das Leben nachdenken, sehen wie es damals war und -vielleicht- erkennen, dass man das Leben nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.Ödön von Horváth an F.Th.Csokor: (...)Die Welt ist voller Unruhe, alles drunter und drüber, und noch weiß man nichts Gewisses! Man müsste ein Nestroy sein, um all das definieren zu können, was einem undefiniert im Wege steht! Die Hauptsache, lieber guter Freund, ist: Arbeiten! Und nochmals: Arbeiten! Und wieder: Arbeiten! Unser Leben ist Arbeit - ohne sie haben wir kein Leben mehr. Es ist gleichgültig, ob wir den Sieg oder auch nur die Beachtung unserer Arbeit erfahren, - es ist völlig gleichgültig, solange unsere Arbeit der Wahrheit und der Gerechtigkeit geweiht bleibt. (Geschichten aus dem Wienerwald, S.116, Z.3-13)

Ein fesselndes Buch! - Ich habe bereits Jugend ohne Gott von Ödön von Horvath gelesen, und ich war sehr positiv überrascht, da dachte ich mir Dann lese ich halt noch was von ihm.Die Suhrkamp Ausgabe kaufte ich mir, da ich immer gute Erfahrungen mit diesen kleinen bunten Büchlein gemacht habe, und wurde auch dieses mal nicht enttäuscht. Der Kommentar ist ordentlich recherchiert, und die Kommentare zu ausgesuchten Textstellen sind auch sehr hilfreich.In Geschichten aus dem Wienerwald hat Horvath seine Figuren wieder einmal zum Leben erweckt und man kann sich sehr gut in die Dialoge hineindenken, es kommt einem beim Lesen fast so vor, als wäre man selbst dabei.Von mir eine klare Kaufempfehlung!

Ein kleines Meisterwerk - Horvath gehört nach meiner Meinung zu den größten deutschen Schriftstellern. Gerade mit den Geschichten aus dem Winer Wald hat er einen modernen Klassiker geschaffen.Sprachlich präzise wie kaum ein Zweiter, schafft er es, die Menschen in seinen Büchern über ihre Dialoge zu beschreiben. Sobald zwei Menschen bei Horvath miteinander -oder aneinander vorbei- reden werden sie lebendig, bleiben nicht nur Figuren in einem Stück. Gerade so, als würden sie direkt neben uns wohnen.




Suhrkamp BasisBibliothek (SBB), Nr.26, Geschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück in drei Teilen