
Ein Nagel im Sarg des Denkens in Gleichgewichten - Gleichgewichte erfreuen sich als gedankliches Konstrukt in vielen Wissenschaften grosser Beliebtheit - ganz gewiss ist das so in der Ökonomie und in der Ökologie. In der Ökonomie bestehen seit langem Zweifel am Nutzen des Denkens in Gleichgewichten. Mit seinem Buch schürt Reichholf die Zweifel am Nutzen des Gleichgewichtsdenkens in der Ökologie.Ich bin kein professioneller Ökologe, habe das Buch aber dennoch mit grossem Interesse und Gewinn gelesen. Besonders gefallen haben mir die klare Sprache und die Kürze des Buchs. Reichholf hat mich überzeugt, dass der Nutzen von Gleichgewichten in der Ökologie ebenso begrenzt ist wie in der Ökonomie. Insbsondere verdeutlicht Reichholf, dass Gleichgewichte als solche keinen erstrebenswerten Zustand darstellen. Offenbar gilt in der Ökologie, was in der Ökonomie schon seit geraumer Zeit bekannt ist. Dort hatte vor einger Zeit Thomas Schelling recht plastisch verdeutlich, dass Gleichgewichte nicht stets erstrebenswert sind: Wenn man einen Mann erhängt und er nicht mehr schwingt ist er im Gleichgewicht. Man wird aber nicht sagen können, dem Mann ginge es gut.