
Eine hervorragende Bettlektüre - Ein Buch das versucht zu erklären, was nicht zu erklären ist - und das auch noch in möglichst einfachen Worten. Denn nach dem Lesen soll auch der wissenschaftliche Laie verstehen, was selbst die Wissenschaft (noch) nicht so recht versteht. So könnte man dieses Buch kurz gesagt beschreiben. Dunkle Materie und Dunkle Energie. Alles liegt im Dunkeln - noch. Daher sind - wie ja schon der Titel dieses Buches andeutet - helle Köpfe gefragt, um wenigstens etwas Licht in einige dieser kosmologisch dunklen Fragen zu bringen.Beispielsweise: Da drehen sich entfernte Galaxien so schnell um sich selbst, daß die Sterne aus denen sie bestehen eigentlich durch die dabei entstehenden Zentrifugalkräfte alle von einander wegfliegen sollten. Da aber so ein Verhalten bisher offensichtlich noch nirgendwo beobachtet werden konnte, muß es nun eben irgendeine Art von Dunkler Materie geben, die die Sterne durch ihre zusätzliche Schwerkraft daran hindert, einfach nach allen Seiten davonzufliegen. Muß es das wirklich? Oder aber: Das Universum begann mit dem Urknall, seither dehnt es sich immer weiter aus (eventuell sogar beschleunigt), und dabei könnte die Struktur des Universums dann geschlossen, flach oder offen sein, und es könnte irgendwann einmal vielleicht wieder auf einen Punkt zusammenschrumpfen (oder auch nicht), abhängig davon, wieviel unsichtbare Materie es denn darin nun wirklich gibt - oder vielleicht eben auch nicht gibt. Ist das nun aber alles wirklich so, oder erliegen wir da nicht doch nur eher einer (optischen) Täuschung?Wie wäre es mal mit diesem kleinen Gedankenexperiment: Der Raum zwischen den Galaxien dehnt sich (angeblich) aus. Nun gibt es aber laut Einstein keinen Raum der für sich allein existiert, sondern nur eine gemeinsame Raum-Zeit. Die Zeit und der Raum sind also fest und unauflösbar miteinander verbunden. Was bedeutet das nun? Könnte das nun etwa bedeuten, daß sich die Zeit genau so ausdehnt wie der Raum selbst? Und falls das so sein sollte, bedeutet das dann weiter, daß die Zeit mit der Zeit womöglich immer schneller abläuft? Oder vergeht die Zeit mit der Zeit etwa immer langsamer und bleibt irgendwann einmal ganz stehen? Und was bedeutet das dann wiederum für die Beobachtung von Galaxien in den Weiten des Universum? Drehen sich entfernte Galaxien vielleicht nur deshalb (scheinbar) schneller als die darin enthaltene sichtbare Menge an Materie eigentlich erwarten lassen würde, weil unsere Zeit heute langsamer abläuft als die Zeit vor Milliarden von Jahren (in die wir ja beim Beobachten dieser Galaxien zurückblicken), und wir deshalb diese Galaxien sich praktisch wie im Zeitraffer drehend sehen? Oder ist es eher umgekehrt? Früher lief die Zeit langsamer als heute, weil die Zeit kurz nach dem Urknall von der damals offensichtlich höheren Dichte der Materie im Universum abgebremst wurde (in einem Schwarzen Loch bleibt die Zeit für den außenstehenden Betrachter ja vollständig stehen), und ein Teil der Rotverschiebung im Lichtspektrum entfernter Sterne deshalb daher rührt, weil wir aus einer heute schneller laufenden Zeit in eine langsamer laufende Vergangenheit zurückblicken? Aber wie dem auch immer sei, es besteht kein Grund - auch nicht nach dem Lesen dieses Buches - zur Annahme, daß die Zeit im Laufe der Jahrmillionen immer mit konstanter und linearer Geschwindigkeit abgelaufen sein soll. Wer behauptet denn eigentlich, daß eine Sekunde nach dem Urknall exakt genau so lange gedauert haben muß, wie eine Sekunde heutzutage? (Könnte in einem von Materie und Strahlung absolut leeren Raum, in dem sich nichts befindet und in dem sich daher auch nichts ändern kann, überhaupt irgendeine Art von Zeit vergehen?) Was sich aber aus einer nicht-linear verlaufenden Zeit für besondere kosmologische Schlußfolgerungen und Effekte ergeben könnten, darauf geht dieses Buch hier leider nicht näher ein. Interessant wäre es allemal gewesen, hier noch etwas nachzurechnen.Wobei wir beim Stichwort nachrechnen wären. Bewußt wurde im Buch weitgehend auf die Einbindung allzu umfangreicher mathematischer Formeln verzichtet, um damit den durchschnittlichen Leser nicht zu überfordern. Indessen, wer sagt denn nun, daß nicht das Universum selbst durch zu viele mathematische Formeln überfordert werden würde? Wo steht denn geschrieben, daß sich das Universum, einschließlich aller Vorgänge darin, überhaupt mathematisch berechnen lassen müßte? Was ist, wenn es sich beim Dasein des Universum generell um einen chaotischen Vorgang handelt, der - wenigstens in seiner Gesamtheit - eben grundsätzlich nicht berechnet werden kann? Wie war das doch gleich nochmal mit der Theorie vom Urknall? Alle Materie konzentrierte sich am Anfang auf einen singulären Punkt und flog dann durch irgendeine kosmische Kraft getrieben nach allen Seiten auseinander - räumlich wie auch zeitlich. Und nun wird der Anspruch erhoben, dieses Auseinanderfliegen exakt berechnen zu können - oder es wenigstens irgendwann einmal zu versuchen. Wenn ich nun aber beispielsweise eine Porzellantasse auf den Boden fallen lasse, dann wird diese aller Wahrscheinlichkeit nach - fast wie bei einem kleinen Urknall - in Hunderten von Scherben nach allen Seiten auseinanderfliegen. Dabei wird sich jede einzelne dieser Scherben physikalisch völlig korrekt und vielleicht auch noch relativ berechenbar verhalten und irgendwo, irgendwann in irgendeiner Größe und Form auf dem Boden zum Liegen kommen. Berechnet werden kann dieser Scherbenhaufen im Ganzen dann aber dennoch nicht, weder im Vorhinein noch im Nachhinein. Jede zertrümmerte Tasse ist eine absolute Einmaligkeit im gesamten Universum, die sich durch nichts und niemand in eine mathematische Formel fassen läßt. An diese Einmaligkeit sollte man übrigens beim späteren Zusammenkehren des Scherbenhaufens auf jeden Fall immer denken. Darüber nachdenken sollte man bei dieser Gelegenheit vielleicht auch gleich mal, ob das Universum nicht in demselben Augenblick aufhören würde zu existieren, in dem es möglich werden würde, es in seiner Gesamtheit zu berechnen. Denn eine Rechnung innerhalb des Universums, die das gesamte Universum berechnet, würde ja letztendlich auch sich selbst berechnen. Aber eine Rechnung, die sich selbst ausrechnet? Würde das nicht zu einem unauflösbaren Paradoxon, und damit zum sofortigen Verschwinden des Universums führen? Nur mal so überlegt, angeregt durch den Inhalt dieses Buches.Und da wäre dann noch die Sache mit der Dunklen Energie, über die in diesem Buch ebenfalls berichtet wird, und die es nur deshalb geben soll, weil das Universum, nach allem was wir bisher wissen, mit großer Wahrscheinlichkeit flach zu sein scheint, und genau dieser Sachverhalt die Kosmologen (laut Buch) nun in eine tiefe Krise stürzt. Da hätte es nun so richtig spannend werden können. Wir erfahren hier zwar, daß das Universum durch diese Dunkle Energie noch geheimnisvoller werden würde, und daß wir höchstens über vier bis fünf Prozent dessen Bescheid wissen würden, was unser Universum ausmacht, aber ob diese Dunkle Energie - oder aus was auch immer die restlichen fünfundneunzig Prozent des Universums bestehen sollen - vielleicht nicht für etwas Sinnvolles verwendet werden könnte - wie beispielsweise Autos, Flugzeuge und Schiffe damit anzutreiben, oder Wohnungen damit zu heizen und zu beleuchten - das erfahren wir in diesem Buch leider nicht. Hier ist wieder einmal mehr die Phantasie des Lesers gefragt. Ein Kapitel mit dem Titel Das Aufspüren Dunkler Energie und deren Nutzbarmachung hätte diesem Buch mit Sicherheit etwas mehr praktischen Wert verliehen, darauf könnte ich wetten.Fazit: Wer einmal versuchen möchte, im Traum die seltsamsten (kosmologischen) Ideen zu bekommen, der ist mit diesem Buch als Bettlektüre bestens bedient. Alle anderen sollten sich an dieses Buch nur mit etwas Vorsicht heranwagen, denn wie der Titel schon sagt, ist das Thema der Dunklen Materie und der Dunklen Energie eben doch eher etwas für ganz besonders helle Köpfe.
Niveaufrage - Das besondere an dem Band ist das Niveau, das die üblichen populärwissenschaftlichen Erläuterungen hinter sich lässt und sich nicht scheut, den Leser mit einem gewissen mathematischen Apparat zu behelligen. Sicher recht schwer für Laien, aber für physikalisch vorgebiltete Leser eine Lektüre mit genau dem richtigen Anspruch.
Nicht leicht, aber es lohnt sich - In diesem Buch werden die aktuellen Erkenntnisse über Dunkle Materie und Dunkle Energie vorgestellt. Meines Wissens ist es das erste Werk, dass diese Thematik so ausführlich populärwissenschaftlich behandelt. Besonders positiv finde ich, dass auch Alternativen zur Dunklen Materie vorgestellt werden (MOND-Theorie). Allerdings muß gesagt werden, dass das Thema zu den schwierigsten gehört, welche die aktuelle Forschung zu bieten hat - das Buch würde ich keinem in die Hand drücken, der noch nie ein Buch über Kosmologie gelesen hat. Es eignet sich nicht als Bett- oder Klolektüre, man muß doch voll bei der Sache sein, um den Ausführungen folgen zu können. Wenn man sich diese Zeit nimmt und sich nicht durch die Formeln abschrecken läßt, gewinnt man doch einen guten Einblick über den aktuellen Forschungsstand. Dennoch hatte ich am Ende ein wenig den Eindruck, dass auch promovierte Physiker im Grunde nicht viel mehr über die Dunkle Materie und die Dunkle Energie wissen, als dass sie wohl existieren.Da es derzeit aber kein besseres Buch über die dunklen Seiten des Universums gibt, vergebe ich 4 Sterne
Empfehlenswert, aber nur für helle Köpfe - Der Name ist hier wie so oft Programm. Das Buch ist mir zwar nicht allzu schwer gefallen, setzt aber doch ein gewisses Maß an phys. Vorwissen und Verstand voraus. Für alle die sich aber an diesem Thema interessieren ist es ein tolles, kurzweiliges Buch. Leider fehlt mir der unglaublich kluge Witz des Autors Lesch ein wenig im Vergleich zu seiner TV-Serie Alpha-Centauri.Wirklich verstehen wird man Teile dieses äuserst Schwierigen Themas auch nach der Lektüre dieses Buches nicht (Wie soll man auch wissen was genau Dunkle Materie ist wenn sich die Physiker darüber selbst noch den Kopf zerbrechen, aber es wird eigentlich sehr anschaulich erklärt, warum es sie geben muss, woher man das weis, welche Eigenschaften sie haben muss und aus was sie bestehen KÖNNTE.)
Wirklich schwer zu lesen - Waren Harald Leschs anderen Bücher noch leicht zu lesende Lektüre, die auch einem Nicht-Physiker einen angenehmen Einstieg in die faszinierende Welt der Astronomie ermöglichte, so hat dieses Buch doch eher den Touch einer Vorlesung. Mathematische Formeln, teilweise etwas konfus und ohne erkennbaren roten Faden, ist dieses Buch wirklich schwer zu lesen.Legt man das Buch mal für ein paar Tage aus der Hand, ist es unglaublich schwer, wieder reinzukommen ... Also eher nicht zu empfehlen (vor allem, wiel Harald Lesch in Alpha Centauri, der Fernsehserie, durchaus die gleichen Themen behandelt, ohne ähnlich konfus und formelversessehn wie in diesem Buch zu sein! Wer dennoch etwas über das Universum erfahren möchte, dem empfehle ich wärmstens Warum Gott doch würfelt von Marcus Chown!