Physik : Komplexitäten: Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen

Komplexitäten: Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen

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Dürftig - Die Botschaft von Frau Mitchell ist : Alles ist schwierig - man müsste alles besser machen - ein völlig neues Denken muss her - die Politiker sind zu dumm, das zu erkennen - das einzige, was hilft, ist integrativer Pluralismus. Damit endet der Gedankengang leider. Die Autorin entwickelt keinen einzigen Gedanken, die zum Fortschritt beim Verständnis von Komplexität beitragen könnten, oder gar beim Gestalten von komplexen Situationen hilfreich sein könnten. Man müsse eben ein neues Denken entwickeln, Computer einsetzen, der Komplexität gerecht werden, alles robust machen, erkennen, dass alles nicht so einfach ist. Sie greift mal ein Beispiel aus der Medizin, mal eines aus der Tierwelt heraus, wie alles mit allem irgendwie zusammenhängt, plötzlich zieht sie genmanipulierten Mais aus dem Ärmel und überrascht den Leser mit der These, dass der ja garnicht so schlimm sei, weil man das ja mit Dem Neuen Denken betrachten müsse...Ein überflüssiges Buch.

Integrativer Theorienpluralismus versus Reduktionismus - Komplexitäten von Sandra Mitchell befasst sich mit Systemtheorie. Es stellt die Behauptung auf, die Naturwissenschaften seien - anders als etwa die Humanwissenschaften - bislang einem reduktionistischen Forschungsparadigma gefolgt, um nun aber erkennen zu müssen, dass auch ihre Welt zu komplex für eine solch einseitige Vorgehensweise ist. Im Fokus des Buches stehen die Naturwissenschaften.Im Laufe des Buches werden wesentliche Begriff der Systemtheorie vorgestellt und erläutert, z. B. Komplexität, Emergenz, Irreduzibilität, Unvorhersagbarkeit, Kontingenz.Sandra Mitchells Aussage ist, dass sich nun auch die Naturwissenschaften von der Vorstellung trennen müssten, die Welt ließe sich durch einfache, ausnahmslos gültige Gesetze beschreiben. Sie wirbt stattdessen für einen integrativen Theorienpluralismus. Sie macht dies u. a. an der Hamiltonschen Theorie der Verwandtenselektion deutlich, die im Rahmen der Evolutionstheorie eine wichtige Rolle spielt. Mitchell zeigt, dass diese die soziale Organisation von Feuerameisen sehr gut erklären kann, von Honigbienen aber schon nicht mehr. Honigbienen stellen folglich eine Ausnahme der Regel dar.Das Buch ist insgesamt gut geschrieben und auch interessant, dennoch war ich am Ende leicht enttäuscht. Ich fragte mich, welche neuen Erkenntnisse sich aus dem Gesagten denn nun ergeben, außer dass die Welt komplexer bzw. kontingenter ist, als wir uns das vorstellen können bzw. uns lieb ist, und man somit ganz häufig gar nichts Genaues weiß und sagen kann.Dies änderte sich erst nach der Lektüre von Merschs Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem, worin die Darwinsche Evolutionstheorie in eine systemtheoretische Systemische Evolutionstheorie überführt wird, die maßgeblich auf emergenten Systemeigenschaften des Lebens (und von sich darauf bildenden höheren Systemebenen) aufbaut, und mit der Mersch nicht nur die biologische Evolution, sondern alle anderen Evolutionen auch noch erklären kann. Interessanterweise zitiert Mersch zwar fleißig aus Sandra Mitchells Buch, gleichzeitig hält er aber Hamiltons Theorie der Verwandtenselektion (und damit natürlich auch Dawkins Theorie der egoistischen Gene) für schlicht und ergreifend falsch.Man sollte also weiterhin auf der Hut sein. Manche Kontingenzen werden wohl auch in Zukunft noch immer primär ein Indikator dafür sein, dass eine schlüssige Theorie für die beobachteten Phänomene bislang nicht gefunden wurde.

Ein hervorragendes Buch! - Professor Sandra Mitchell ist eine Autorität auf dem Gebiet der Wissenschaftsphilosophie und hat eine Reihe sehr wichtiger Beiträge zu dem Problem der Komplexität in Fachzeitschriften veröffentlicht. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass Ihre Ideen jetzt einem breiteren Publikum zugänglich geworden sind. Das Buch ist eine sehr fruchtbare Einführung in die Problematik der Komplexität in den Wissenschaften, und obwohl es kein populärwissenschaftliches Werk darstellt, wird es nicht ungebührend technisch. Es ist der ideale Einstieg sowohl für philosophisch interessierte Leser als auch für Wissenschaftler, die lernen möchten, wie die methodologischen Probleme der empirischen Wissenschaften im Rahmen der neuesten Entwicklungen der Wissenschaftsphilosophie zu behandeln sind.Prof. Dr. Dr. C. Mantzavinos, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Philosophie, Universität Witten/Herdecke

Interessant und trotzdem etwas redundant - Ich finde das Thema interessant und Frau Mitchell hat auch die eine oder andere Idee hierzu beigetragen. Das Buch selber ist allerdings vom Stil her etwas dröge und die Argumentationstechnik ist nicht gerade zwingend. Es macht also nicht unbedingt Spass, es zu lesen. Die Hälfte an Buchstaben hätte für die Aussage auch gereicht. Überhaupt wird häufiger einfach behauptet und gemeint statt nachvollziehbar argumentiert, in meinen Augen. Geht so, wäre mein Gesamturteil.

Thema komplex verfehlt - Der Umgang mit Dynamik und Komplexität war schon immer ein Thema der Menschen und ist es erst recht in unserer heutigen schnelllebigen und vernetzten Zeit. Vor der Frage steht eigentlich jeder: Wie geht man mit einem Phänomen um, dem Unverständlichkeit und Unbeherrschbarkeit irgendwie inhärent sind? In dieses natürliche wie auch generelle Interesse stößt der Titel von Sandra Mitchells neuestem Buch. Von daher hat der Titel ohne Weiteres das Zeug zu einem Bestseller. Jedoch verheißt der Titel leider ungleich mehr als die Lektüre des Buches schließlich hält.Mitchell beschränkt sich in ihren Betrachtungen weitgehend auf komplexe biologische Systeme, sie unternimmt nur ganz wenige Ausflüge z. B. in den Bereich sozio-ökonomischer Systeme. Über lange Strecken äußert Mitchell in Ich-Form ihre Auffassungen, die keineswegs uninteressant sind, die aber eben nur ihre höchstpersönliche Ansicht darstellen. Wenn man sich mit einem gestandenen Regelungstechniker und Kybernetiker unterhält, wird man schnell verstehen, dass Strukturen/Systeme nicht schon deswegen komplex zu nennen sind, weil Rückkopplungen bestehen und wirken. Solche rückgekoppelten Strukturen sind für den Kybernetiker das tägliche Brot. Auch in ihren mehr wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Ausführungen geht Mitchell nicht über den Stand der Kunst hinaus.Mitchell hätte eine Definition des allgemeinen Phänomens Komplexität über alle Wissenschaftsdisziplinen hinweg versuchen sollen, wie es der Titel ihres Buches auch erwarten lässt. Interessant wäre es darüber hinaus gewesen, wie die Menschen mit ihrer jeweils komplexen Lebenssituation (besser) umgehen. Sind die Herangehensweisen einzelner Menschen bzw. die praktizierten Managementansätze in komplexen Organisationen dem aktuellen komplexen Umfeld noch adäquat? Wird die Welt, wird unser Leben, werden unsere Geschäftsprozesse immer komplexer? Gibt es ein Ausmaß an Komplexität, dem wir bzw. unsere Unternehmen und Institutionen nicht mehr gewachsen sein werden? Was lässt sich unternehmen, um eine solche Komplexitäts-Katastrophe abzuwenden? Gibt es Kulturen, die mit Komplexität und einem größeren Quantum an Chaos leichter umgehen können als andere? Helfen uns unsere Ziele durch die uns umgebende Komplexität einen Weg zu finden? Ist diese Ziel-Methode zuverlässig und effizient? Oder wäre etwas anderes vorzuziehen? Was wäre das?...Solche (und ähnliche) Fragen werden von Mitchell, die sich auf biologische und biochemische Systeme konzentriert, leider nicht gestellt, geschweige denn beantwortet... insofern meine ich, erhebt der Titel von Mitchells Buch einen Anspruch, den er - trotz interessanter Details - keineswegs erfüllt.




Komplexitäten: Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen