Physik : Fahrenheit 451

Fahrenheit 451

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In Ray Bradburys erschreckender Zukunftsvision Fahrenheit 451 löscht die Feuerwehr keine Feuer, sondern zündet sie an, um Bücher zu verbrennen. In Bradburys anschaulich dargestellter Gesellschaft gilt Zufriedenheit als das höchste aller Ziele. Triviale Informationen sind gut, Wissen und Ideen schlecht. Feuerwehrhauptmann Beatty erklärt dies folgendermaßen: Laßt die LeuteWettbewerbe austragen, in denen sie sich, um zu gewinnen, an den TextbeliebterLieder erinnern müssen... Sie sollen sich nicht mit heiklen Dingen wiePhilosophie und Soziologie beschäftigen. Davon werden sie nurmelancholisch. Guy Montag ist ein bücherverbrennender Feuerwehrmann, der gerade eineÜberzeugungskrise durchmacht. Seine Frau verbringt den ganzen Tag mit ihrer Fernseh-Familie und drängt Montag, härter zu arbeiten, damit sie sich eine vierte Fernsehwand leisten können. Ihr langweiliges, unerfülltes Leben steht im scharfen Kontrast zum Leben ihrer Nachbarin Clarisse -- einer jungen Frau, die von den Ideen in Büchern fasziniert ist und sich weit mehr für das interessiert, was in der Welt um sie herum vorgeht, als für das belanglose Geschwätz im Fernsehen. Als Clarisse auf mysteriöse Weise verschwindet, verursacht das eineVeränderung in Montag: Er beginnt, bei sich zu Hause Bücher zu verstecken. Als ihn seine Frau denunziert, muß er die Bücher im geheimen Versteck verbrennen. Es gelingt ihm zu fliehen und sich einer Verhaftung zu entziehen. Montag schließt sich zu guter Letzt einer Gruppe geächteter Gelehrter an, die die Inhalte von Büchern auswendig im Kopf behalten und auf eine Zeit warten, in der die Gesellschaft wieder auf die Weisheit der Literatur angewiesen sein wird. Bradbury -- Autor von über 500 Kurzgeschichten, Romanen, Theaterstücken undGedichten, unter anderem Die Mars-Chroniken und Der illustrierteMann -- ist vielfacher Preisträger, auch mit dem Grand Master Award der Science Fiction Writers of America ist er ausgezeichnet worden. Leser von 13 bis 93 werden von der grauenerregenden Spannung von Fahrenheit 451 in Bann gezogen werden und zweifellos Teil der großen weltweiten Fangemeinde Bradburys werden. --Neil Roseman

Zu skizzenhaft - Ray Bradburys Fahrenheit 451 wurde mir als Klassiker der Science Fiction-Literatur empfohlen und ich habe es mit entsprechend großen Erwartungen zur Hand genommen. Doch die skizzenhafte und stark konstruierte Geschichte hat mich nicht überzeugt.In der Zukunft ist den Menschen das Denken und Fühlen zu anstrengend geworden. Reden tun sie schon lange nicht mehr miteinander, stattdessen lassen sie sich lieber vom Fernsehen medial dauerberieseln. Lesen und ähnliche kontemplative Aktivitäten sind verboten, die Feuerwehr rückt aufgespürten Büchern mit Kerosin zuleibe. Und mittendrin der Feuerwehrmann Guy Montag, der durch seine jugendliche Nachbarin Clarisse die Liebe zur Literatur entdeckt - und mit der Gesellschaft aneinander gerät.Im Gegensatz zu anderen Autoren baut Bradbury seine Negativ-Utopie nicht auf der Basis eines Terrorregimes, sondern behauptet, dass die Menschen von ganz alleine aufgehört haben, zu lesen und zu denken. Die daraus folgende Verbindung von bürgerlichem Desinteresse und staatlichem Verbot will allerdings nicht einleuchten: Wieso sollte eine Regierung soviel Mühe in das Verbot von Dingen investieren, für die sich sowieso niemand interessiert? Wie sehen die Politiker dieser Welt aus, die doch einen Atomkrieg führen und dabei wohl oder übel über das menschliche Wesen nachdenken müssen? Leben sie auch ein Schattendasein als hirntote Fernsehleichen? Und wie sehen die Programmdirektoren der Fernsehgesellschaften aus, die es zu ihrer Aufgabe gemacht haben, die Menschen mit Belanglosigkeiten einzulullen? Der winzige Ausschnitt der Gesellschaft, den uns diese Geschichte präsentiert, genügt nicht, das wackelige Gesamtkonstrukt auf feste Füße zu stellen.Der unfertige Eindruck wird durch kleinere logische Fehler verstärkt. Ein Beispiel: Nur weil die Häuser feuerfest gebaut sind, soll keine echte Feuerwehr mehr nötig sein? Sprechen wir über die selben Vereinigten Staaten, die Jahr für Jahr von verheerenden Waldbränden und Hurrikan-bedingten Flutkatastrophen heimgesucht werden?Der für mich zentrale Denkfehler der Geschichte ist es jedoch, das Lesen mit dem Denken tiefgründiger Gedanken gleichzusetzen. Denn man muss keine Poesie gelesen haben, um die Schönheit der Natur zu bewundern, und die Lektüre der Bibel ist keine Voraussetzung, um Mord abzulehnen. Große Gedanken kommen aus dem Leben selbst, nicht aus Büchern.Ein großes Manko ist die skizzenhafte Zeichnung der Figuren. Guy denkt wenig und redet noch weniger, so dass seine innere Wandlung kaum nachvollziehbar ist. Anderswo wird die Konzentration auf wenige Personen als kammerspielartig charakterisiert, doch genau die Intensität des Spiels, die das Kammerspiel ausmacht, fehlt hier. Viele Figuren sind sogar nicht nur dürftig ausgearbeitet, sondern schlicht unstimmig. Guys Nachbarin Clarisse etwa redet derart schwülstig daher und benimmt sich so lebensfremd, dass sie beim besten Willen nicht als Jugendliche durchgeht. Und die Nachbarin, die ein Kind verloren hat, aber aufgrund ihres Fernsehkonsums und ihrer Unbelesenheit keine Trauer darüber empfinden soll, ist ebenso unglaubwürdig wie Guys Ehefrau Millie, die sich zwar rund um die Uhr Soaps ansieht, aber genau das Gefühlsleben abgesprochen bekommt, aus dem sich Soaps mit ihren Liebesaffären und Intrigen erfahrungsgemäß zehren.Der Erzählstil fällt mit zahllosen antiquierten Ausdrücken unangenehm auf. Da ich das Buch nicht im Original gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, was davon auf die jahrzehntealte Übersetzung zurückzuführen ist. Das Ende bricht so plötzlich und unbefriedigend über den Leser herein, als hätte der Autor keine Lust mehr gehabt. Die Geschichte wirkt dadurch wie eine etwas zu lang geratene Kurzgeschichte. Das Vorwort schließlich trägt kaum Wissenswertes bei.Ich kann diese Geschichte nicht weiterempfehlen. Science Fiction-Freunde werden sich an der fehlenden science stören, Literaten am oberflächlichen Erzählstil und Gesellschaftskritiker daran, dass Bradbury die Vielseitigkeit des menschlichen Intellekts schlicht unterschätzt.

Bradbury zum Hören - Rufus Beck ist ein wunderbarer Vortragender mit einer prägnanten Stimme. Zurecht wird er für viele Hörbücher herangezogen, um den Texten eine neue, eigene Note durch seine stimmliche Interpretation hinzuzufügen.Nun hat sich der Diogenes Verlag, der Bradburys Werke auf deutsch betreut, daran gemacht, die bedeutendsten Bücher des Autors als Hörbücher herauszugeben. Fahrenheit 451 und Die Mars-Chroniken sind bereits erschienen.Beck überzeugt in seiner auffallend unaufgeregten, ruhigen Art einerseits, andererseits hätte ich mir doch mehr Tempowechsel gewünscht, denn gerade bei den frühen Werken Bradburys fällt die Vielstimmigkeit in dessen Stil auf, und der hätte Beck mehr Rechnung tragen müssen. So aber wirken die längeren Texte auf die Dauer doch zu einförmig.

Visionär - Zusammen mit Orwells 1984 und Huxley`s Brave New World spannt Fahrenheit 451 das Netz der Dystopien der Nachkriegszeit, alle für sich ungeheuer wichtig und zurecht Klassiker. Was Bradburys Roman so einzigartig macht, ist, dass die Gesellschaft, in der Guy Montag agiert nicht von Oben, von der Regierung her so zur Unkenntlichkeit maskiert und verändert wurde, sondern, dass das Kollektiv sich -halbbewusst- selbst entschieden hat, in dem beschriebenen betäubten Zustand leben zu wollen. Gegen eine machthungrige, verdorbene Regierung (1984) kann man oppornieren. Gegen erzwungene Gleichschaltungsversuche (Brave New World, oder realer: DDR) kann ich ankämpfen. Aber was tun gegen eine bewusste Abstumpfung einer ganzen Gesellschaft, was unternehmen gegen eine sich auf Ablenkung und Betäubung spezialisierte (Medien-)Kultur? Hier gibt es nur den Ausweg des Einzelnen, des sich Entziehenden, Revolutionen müssen ausbleiben.Als wirklich visionär sind die Einflüsse der Medien zu nennen, die Bradbury bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts vorausberechnet hat. Da gibt es riesige Wandmonitore (Beamer), Ohrmuscheln (ipod) und gigantische Reklametafeln, zu einer Zeit beschrieben, als die Vorboten dieser Entwicklungen noch belächelt wurden.Inhaltlich ist Bradbury ein spannendes Kammerspiel gelungen. Man meint fast, eine Theaterfassung zu lesen. Die beschriebenen Menschen kennt jeder, vor allem von sich selbst. Am bedrohlichsten wirkt Beatty, welcher, selbst sehr belesen, die Entscheidung Richtung Konformität gewählt hat, um diese schließlich mit seinem Leben zu verteidigen.Man sollte auch nicht alles zu schlecht reden, auch neue Technik nicht (Fortschritt muss sein), schließlich leben wir immerhin in einem Staat, welcher (noch) freie Meinungsäußerung und Protest zulässt. Wer aber diese Werte schwinden sieht (Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, Speicherung von Onlinedaten, Volksverdummung durch Fernsehen und Werbung, Konsumterror, Hängen an der Nadel eines ewigen Wachstums, Spaltung von Arm und Reich), der ist mit Fahrenheit 451 gut bedient, um mal zu schauen, wohin das alles führen kann. Wie gesagt: zurecht ein Klassiker.

Bücherverbrennung - ein heikles Thema ! - Mind Control, Big Brother Is Watching You, Brave New World und viele ähnliche Schlagworte kommen ebenso daher wie Fahrenheit 451, der Hitzegrad, bei dem Bücher Feuer fangen und verbrennen. Science Fiction ? Hoffentlich !!!

Gute Idee, zu Oberflächlich erzählt - Die Idee ist gut. Doch leider kann man sich durch die oberflächliche Beschreibung des Alltaglebens schlecht in diese Ära einfühlen. Das nimmt der Geschichte viel Fantasie, die man mit der Rahmenstorie sehr gut hätte ausbauen können. Kurz gesagt: das Buch scheint eine Zusammenfassung einer guten Geschichte zu sein.




Fahrenheit 451