
über den grad des verständnisses.... - dies ist ein wirklich flüssig geschriebenes, hoch interessantes und sehr informatives büchlein über die bis dato größte forschungsmaschine der menschheit und den damit verbundenen hoffnungen und zielen.neben den beeindruckenden technischen daten des größten teilchenbeschleunigers der welt gibt es auch informationen über die logistik der funktionssteuerung. es gibt dort kein projektmitglied, das alles über diese maschine weiß - jeder der zahllosen wissenschaftler ist für einen teil verantwortlich, zusammen bilden sie ein zusammengesetztes, größeres gehirn, das mit der maschine arbeitet.funktionieren tut das ganze als frage/antwort-spiel. es werden die fragen gestellt, die ein an diesem gerät interessierter wohl stellen würde und herr landua beantwortet diese prägnant, verständlich und ohne überwissenschaftliches gedöns.wenn es richtig ist, dass die beschreibung einer sache umso kürzer und verständlicher ausfällt, je mehr verständnis der autor davon hat, dann muss man rolf landua einen großartigen durchblick bescheinigen.neben den technischen informationen gibts auch noch solche zum stand der teilchenphysik, zum urknall und über die zeitabläufe, die zum heutigen universum geführt haben - alles sehr anschaulich dargestellt.obwohl mir vieles vom inhalt bekannt war, habe ich das büchlein gefressen. falls interesse an diesen dingen besteht: unbedingt lesen!
Das Nichts hat eine eigene Dynamik - Rolf Landua berichtet aus dem größten und kältesten Kühlschrank der Welt - dem LHC im CERN.Populistische Panikmache geisterte durch viele Medien, je näher das Datum der Inbetriebnahme des Large Hadron Colliders (LHC) rückte. Kaum eine Tageszeitung ließ im September einen derartigen Artikel aus. Die Gesprächsthemen in vielen Büros verlagerten sich weg von Tatort oder GZSZ in eine Richtung, von der Physiker noch vor Monaten nur träumten. Das dunkle Zeitalter der Desinformation und Ignoranz (Zitat Physik-Nobelpreisträger Robert B. Laughlin) schien für kurze Zeit gebrochen. Man diskutierte über unser Universum, eben jene schwarzen Löcher oder über das ominöse Higgs-Teilchen. Der sonst eher im Dunklen agierende Wissenschaftszweig erfuhr eine nie geahnte Popularität. Doch nicht immer verliefen diese Gesprächsrunden mit dem verständnisnotwendigen Wissen.Rolf Landua hingegen ist Experte und ein sogenannter Insider. Er arbeitet seit 1987 am CERN. In seinem Gespräch über die Physik am CERN - so der Untertitel - geht er auf Aspekte ein, die die Bevölkerung mit der geplanten Inbetriebnahme des LHC beschäftigen könnte. Landua hat sein Buch als idealisierten Dialog zwischen einem Laien und einem Wissenschaftler konzipiert. Stellen Sie sich also vor, dem CERN einen Besuch abzustatten und dabei einen freundlichen Physiker zu treffen, der alle Ihre Fragen aus den Grenzbereichen der modernen Physik geduldig und so anschaulich wie möglich beantwortet., schreibt der Autor in seiner Vorbemerkung. Nach einer kurzen Einführung über Geschichte und Struktur des weltweit größten Forschungszentrums für Teilchenphysik, von dem aus immerhin das Internet seinen Siegeszug antrat (Tim Berners-Lee erfand hier das World-Wide-Web), betritt der virtuelle Besucher die heiligen Hallen des CERN. Woraus besteht Materie? Wie kann ich mir ein Elektron - oder ein anderes Elementarteilchen - konkret vorstellen? Wie werden Antiprotonen hergestellt? Was wissen wir über die Zusammensetzung des Universums?, sind nur einige Fragen, die in den ersten beiden Kapiteln aufgeworfen und gut verständlich beantwortet werden, bevor er den Leser ins Herzstück der Anlage, in den Tunnel zum Urknall, sozusagen in die Eingeweide des LHC mitnimmt. Hier erfährt man etwas über Funktionsweise und Aufbau der Anlage und ihrer riesigen Detektoren. Aber auch zu solch elementaren Fragen Was hat das LHC gekostet? bezieht der Autor Position. Und natürlich bekommen Higgs-Feld, supersymmetrische (SUSY-) Teilchen und dunkle Materie gleichfalls ihren Auftritt.Da philosophische Aspekte für die Physik von großer Bedeutung sind, rückt Landua letztendlich auch Fragen ins Zentrum der Diskussion, die jenseits der experimentellen Möglichkeit liegen und damit den Dialog der Geistes- mit der Naturwissenschaft öffnen. Wie konnte unser Universum vor 13.700 Millionen Jahren aus dem Nichts entstehen? Existiert das Nichts überhaupt? Gab es während des Urknalls nur eine - oder vielleicht unzählige - Möglichkeit(en) für die Entstehung der Naturgesetze, und welche Rolle hat der Zufall dabei gespielt? (...) Ist irgendwo im Weltbild der modernen Physik noch Platz für Gott? Manchmal wird das Higgs-Teilchen auch als Gott-Teilchen bezeichnet - ist Gott noch aktiv am Werk und greift über sein Teilchen permanent in die Schöpfung ein?Die Forscher der letzen Jahrhunderte haben eine wunderliche, aber auch faszinierende Struktur der Materie und des Universums entdeckt. Die Experimente am LHC werden uns einen Einblick in eine bisher unerreichbare Region von Raum und Zeit geben, der unser Weltbild revolutionieren könnte., schreibt Landua. Auch wenn der LHC nach einer Panne am Kühlsystem kurz nach dem Start wieder abgeschaltet werden musste und ein Neustart erst im Frühjahr 2009 möglich sein wird, vermittelt Rolf Landuas Buch Am Rande der Dimensionen. Gespräche über die Physik am CERN dem interessierten Leser einen kleinen Ausblick darauf. Fazit:Rolf Landua führt auf verständliche Art und Weise in einen ungemein interessanten Wissenschaftszweig ein und räumt mit Vorurteilen auf.
Kommt die Welt in ihrer Ganzheit jemals zur Anschauung? - Dieser in eine Frage umgewandelte Zweifel Kants prägt dieses wunderbare Buch, welches von den Anfängen zu dem Rand der Dimensionen aufbricht und äußerst verständlich zeigt, was die Physik antreibt. Ist diese Welt die Welt der Mathematik und in dieser Profession beschreibbar, entzieht sie sich doch der sinnlichen Anschauung. Von den Atomen des Demokrits hin zu den Elementarteilchen, die dann in aller Sinne unteilbar scheinen, bis nicht die Forschung dieses widerlegt. Landua spürt man die Leidenschaft zur Physik an und doch auch die hohe Bereitschaft, dem Leser Verständnis in der Sache zu offenbaren. Beispiele des Alltags sind so anschaulich und machen Physik leicht auf den ersten Blick - bis es eben zum nächten Thema der Vakuumfluktuationen kommt, wo selbst die Physik vor ihrem größten Rätsel steht. Sie lernen über Atome und ihre Eigenarten, werden Quarks als Ups and Downs, als Charm oder gar Strange kennenlernen wie auch Leptonen als Elektron, Myon, Tauon, selbst Neutrinos und in Folge die Gruppen oder Familien von Elementarteilchen, die die Welt beschreiben, aber noch nicht ihre Masse kennen. Higgs als Feld oder als Teilchen ist damit der Anfang einer Idee, die nun im CERN und dem großen LHC zum größten Projekt zur Entdeckung des nächsten wichtigen Teilchens führt. Und letztenendes möchte man die schon philosophisch diskutierte Frage nach dem NICHTS klären und vor allem auf Antwort hoffen: Existiert das Nichts überhaupt? Gab es in diesem Nichts ein einziges Naturgesetz? Ist noch Platz nach Higgs für Gott und Religion?Dieses Buch auf dem Weg zur Erklärung ist ein wunderbarer Begleiter auch zu den Berichten der Tagespresse. Den Tunnel zum Urknall werden Sie sehen - und die Konsequenzen der Experimente kennenlernen. Physik trifft Philosphie am Ende - Zufall und Notwendigkeit werden im anderen Licht stehen und die Fragen und Spekulationen werden eine andere Dimension erhalten. Ob es eine Theorie von allem, eine Weltformel geben wird? Eine veränderte String-Energie in Planck-Länge? Reicht die Sprache zur Erklärung der Natur? Muss eine neue Mathematik erfunden werden, um eine Sprache der Erkenntnis und der Beschreibung zu haben, die unserer Anschauung nicht mehr gerecht werden kann? Die Fragen fließen weiter, alles bleibt im Fluss, wie Heraklit schon wusste. Es gibt keine Grundstoffe, die nicht in Auflösung übergehen. (Platon) Das gilt für alle Materie, doch deren Bestandteile, deren Elementarteilchen sind ewig. Dieses Buch ist Teil der unseld edition, seit 2008 neu bei suhrkamp. Diese Reihe widmet sich den aktuellen Themen der Zeit und den Welterklärungen.
Über CERN und die Elementarteilchen - Ausgezeichnete Einführung in die Welt, für die sich das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik CERN interessiert, und in die Aktivitäten von CERN. Kurz (106 S.), sehr lesbar. Lässt keinen Zweifel daran, dass das, was die Physiker wissen, nur ein kleiner Teil ist, verglichen mit dem, was sie nicht wissen, aber gerne wüssten. Macht dem Motto der Edition Unseld alle Ehre: Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen.
solide Information - Rolf Landua hat sein langjährige Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit des CERN in dieses kleine Buch eingebracht. Da ich selbst auch seit Jahren versuche, gebildeten Laien die Elementarteilchenphysik und den CERN näher zu bringen, kann ich bestätigen, daß der Autor alle üblichen Fragen aufgreift und sie konzise und verständlich beantwortet. Dies ist bei einer abstrakten Materie, wie sie heute die Elementarteilchenphysik darstellt, eine beträchtliche Leistung.Landua vermeidet dankenswerterweise auch ein overselling, wie es sensationslüsterne Medien zu brauchen meinen, um wissenschaftliche Themen an den Mann zu bringen. Im letzten Kapitel am Rand der Dimensionen behandelt Landua Aspekte der Teilchenphysik, die weltanschauliche Fragen berühren. Auch diese sind klar und ehrlich dargestellt. Daß die Auswahl der Fragen notwendigerweise beschränkt und persönlich ist, tut dem Wert der Darstellung keinen Abbruch. Schade finde ich nur, daß Landua auf Referenzen verzichtet und auch keine weiterführende Literatur oder relevante web-Adressen angibt.